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Mittwoch, 30.09.2020

Tiefgarage oder Tunnel: Was bei einem Brand im E-Auto passiert




E-Autos nehmen an Beliebtheit zu. Doch viele Menschen treibt die Sorge um, was bei einem E-Auto passiert, wenn es in einem Tunnel oder in der Tiefgarage in Brand gerät. Die schweizerische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) hat dazu einen Feldversuch eindrucksvoll dokumentiert.

Bei dem Versuch sollte geprüft werden, welche speziellen Gefahren bei einem Brand in einem Elektroauto drohen und wie gefährlich freigesetzte Substanzen aus der Batterie tatsächlich sind. Womit müssen Feuerwehren rechnen und wird es notwendig sein, Tunnel, Tiefgaragen und Parkhäuser im Hinblick steigender Zahlen von E-Autos anders konstruiert und gebaut werden?

Was passiert, wenn die Batterie eines E-Autos in Flammen aufgeht?

Zunächst gibt es einen lauten Knall, dann steigt eine gewaltige Rußwolke auf. Nur Bruchteile von Sekunden später folgen meterhohe Stichflammen. Das passiert, wenn die Batterie eines Elektrofahrzeugs in Brand gerät. In einem Versuchsstollen in Hagerbach (Ostschweiz) haben Empa-Experten einen derartigen Brand aus unterschiedlichen Blickwinkeln gefilmt und dabei Faktoren wie Löschwasser, Rußablagerungen und Umgebungsluft mit folgendem Fazit getestet.

Feuerwehrleute, die mit Bränden herkömmlicher Fahrzeuge vertraut sind, können mit diesem Schaden umgehen. Tiefgaragen- und Tunnelwände sowie dort vorhandene Leitungen werden nicht zusätzlich gefährdet. „Eine Tunnellüftung, die auf aktuellem Stand der Technik ist, kommt nicht nur mit brennenden Benzinautos, sondern auch mit Elektroautos zurecht”, so das Urteil der Empa. Allerdings sei die deutlich größere Menge Löschwasser bei E-Auto-Bränden ein Problem. „Chemisches Löschwasser darf auf keinen Fall in die Kanalisation geraten”, warnen Empa-Experten.

Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Die Studie bestätigt meine Einschätzung über die Gefährlichkeit von E-Mobilität. E-Autos brennen zwar anders, aber für den Ausgang ist es nicht entscheidend, ob eine Hochleistungsbatterie oder 80 Liter Treibstoff an Bord sind. Entscheidend ist vielmehr die Brandlast.” Damit ist das Material gemeint, das in Brand geraten kann. Heute ist die Brandlast aufgrund des vielfach verbauten Kunststoffs (Verkleidung in der Fahrerkabine, Abdeckungen im Motorraum, breitere Reifen) zwei- bis dreimal so hoch wie noch vor zwei oder drei Jahrzehnten.

Es sei allerdings beruhigend, dass die Konzentration der aus Lithium-Ionen-Batterien austretenden, stark ätzenden und toxischen Flusssäure bei keinem einzigen Empa-Versuch im kritischen Bereich gelegen habe.

Schulungen für Feuerwehren

Die bundesweit mehr als 20.000 Feuerwehren erhielten Schulungen, damit ein wirksamer Umgang mit brennenden E-Autos möglich sei. „Wenn wir bei einem Brand wissen, dass es sich um ein E-Mobil handelt, schicken wir gleich mal 5000 Liter mehr Wasser in Löschfahrzeugen mit raus”, so Knorr. „Es kann sein, dass man mit 3000 Litern nicht hinkommt.” Die Wagen müssen deutlich länger gekühlt werden, da die Batterie eines E-Autos auch über einen längeren Zeitraum mehrmals in Brand geraten kann.

Ein viel größeres Problem ist laut Knorr das Löschwasser. Die Forderung, Löschwasser dürfe nicht in die Kanalisation gelangen, sei zwar schnell formuliert, aber in der Praxis nicht so leicht umsetzbar. „Wenn Feuerwehrleute sich zum Beispiel in einer Tiefgarage in Rauch und Hitze einem brennenden Fahrzeug nähern, ist es unmöglich, erst dafür zu sorgen, dass das Löschwasser aufgefangen wird”, so die Meinung des Vizepräsidenten. Allerdings sei dies bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor nicht anders. Auch da bestehe die Gefahr, dass Bremsflüssigkeit, Motoröl und Treibstoff austreten. Notfalls müsse, beispielsweise an einer Unfallstelle im Freien, eine Bodenreinigung erfolgen oder gar ein Teil des Bodens abgetragen werden.

Quelle: www.pnn.de (© dpa-infocom, dpa:200830-99-360594/2)





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