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Samstag, 19.10.2019

Mehr Sicherheit durch Head-up-Displays im Auto?




Head-up-displays in Autos nehmen zu. Die Anzeige auf der Windschutzscheibe statt auf dem Tacho soll weniger Ablenkung hinter dem Steuer bringen. Doch in manch einer Situation kann das den Autofahrer auch überfordern.

Längst ist bekannt, dass Ablenkung am Steuer die häufigste Unfallursache ist. Und dafür ist nicht nur der kurze Blick aufs Smartphone verantwortlich. Auch das Schauen auf Tankanzeige und Tacho kann zu brenzligen Situationen führen.

Holger Ippen von der „Auto Zeitung“ sagt dazu: „Inklusive der notwendigen Augenfokussierung und Helligkeitsanpassung dauert das rund eine halbe Sekunde.“ Das entspricht bei einer Geschwindigkeit von 120 km/h einer Strecke von 17 Metern, bei denen der Fokus nicht auf die Straße und den Verkehr gerichtet ist und die Fahrt im Blindflug erfolgt.

Mehr Übersicht, weniger Konzentrationsschwäche

Das lässt sich durch Head-up-Displays verhindern. Wichtige Infos wie Angaben des Navigationssystems oder der Geschwindigkeit werden hierbei auf die Windschutzscheibe projiziert. Deshalb wird die Zukunft im Cockpit des Autos dreidimensional sein. Zulieferer Continental hat bereits ein System entwickelt, das Gefahren dem Fahrer dort anzeigt, wo sie auf der Straße lauern.

„Diese Systeme bringen die Informationen exakt dorthin, wo sie gebraucht werden: ins Sichtfeld des Fahrers“, so Ippen weiter. Damit wird erreicht, dass der Fahrer weniger schnell ermüdet, da er nicht permanent zwischen Nah- und Fernblick wechseln müsse, so die Erklärung des Experten. Head-up-Displays sind mittlerweile auch in der Kompaktklasse angekommen, die lange Zeit nur in den Fahrzeugen der Oberklasse von Audi oder BMW verfügbar waren.

Dabei handelt es sich keinesfalls um eine neue Technik. Es hat allerdings etwas gedauert, bis die Eroberung des Massenmarktes gelungen ist. Das liegt laut Ippen vor allem an der wesentlich kompakteren Bauweise der Head-up-Technik sowie der Raumoptimierung unterhalb der Instrumententafel: „Dadurch ist Platz frei geworden für neue Technologien.“ Aufgrund der erhöhten Produktion sind zudem die Preise gesunken: „Head-up-Displays erfreuen sich inzwischen sehr großer Beliebtheit, zumal die günstigere Variante mit der kleinen Plexiglasschreibe in immer mehr Kompakt- und Mittelklassefahrzeugen angeboten wird“, führt Ippen weiter aus. Bei dieser Version wird die Anzeige nicht auf die große Windschutzscheibe, sondern auf eine kleinere ausklappbare Plexiglasscheibe geworfen, die auf dem Cockpit sitzt. Der Aufpreis hierfür beläuft sich auf 600 bis 800 Euro.

Aufwändiger und teurer ist das System, das diese Daten direkt auf die Windschutzscheibe wirft. Hierzu ist der Einbau einer speziellen Frontscheibe mit eingearbeiteter Keilfolie notwendig. Eine ungenaue Verarbeitung könne allerdings zu einer unscharfen Anzeige führen, erklärt Ippen.

Weniger ist mehr

Ob große oder kleine Lösung. Welf Stankowitz, Experte des DVR (Deutscher Verkehrssicherheitsrat) warnt: „Die Anzeige darf nicht überfrachtet sein, sonst irritiert sie den Autofahrer“. Daher sollten sich die Systeme auf elementare Daten wie etwa Geschwindigkeit, Gefahrenwarnung und eventuell auch den Hinweis zum Gangwechsel beschränken. Mehrfachwarnungen durch das Display seien als kritisch anzusehen. Nehme ein Autofahrer beispielsweise einen Fußgänger selbst wahr und das Assistenzsystem weist mit einem Warnton und zusätzlich blinkendem Head-up-Display zusätzlich auf die Gefahr hin, sei das irritierend und ablenkend, so die Warnung von Stankowitz.

Nachrüstsysteme wenig überzeugend

Head-up-Displays sind auch als Nachrüstsysteme erhältlich, von Apps für Smartphone bis zu kleinen auf dem Cockpit zu befestigenden Projektionsgeräten, die zwischen 60 und 600 Euro kosten. Doch egal zu welchem Preis: „Wirklich überzeugen konnte bisher keines“, so Ippen. Ganz ähnlich sieht es der DVR. „Die Bedienung ist oft kompliziert, die Anzeigen unscharf, und da das Smartphone dann auf dem Cockpit liegt und immer wieder ausgerichtet werden muss, lenkt das im Ergebnis noch mehr ab“, kritisiert Stankowitz.

(dpa) Quelle: www.otz.de





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