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Freitag, 22.01.2021

Klimafreundlicher Verkehr: EU plant Millionen Autos ohne Abgase




30 Prozent der CO2-Emissionen in Europa hat der Verkehr zu verantworten. Bis 2030 will die EU-Kommission eine drastische Senkung dieses Wertes erreichen - mit ehrgeizigen Zielen für die Autoindustrie.

Um den Verkehr klimafreundlicher zu gestalten, plant die EU-Kommission deutlich mehr Autos ohne Abgase auf den Straßen Europas. Mindestens 30 Millionen emissionsfreie Fahrzeuge sollen bis 2030 in Betrieb sein. So wird es in einer neuen Strategie gefordert, die Frans Timmermans, EU-Kommissionsvize, am Mittwoch vorgestellt hat. Darin werden vom Niederländer unter anderem auch Pläne für striktere Schadstoff- und CO2-Grenzwerte bekräftigt. Gegen diese Pläne läuft die deutsche Autoindustrie allerdings bereits Sturm.

„Es ist klar, dass wir die Emissionsregeln anziehen müssen“, sagte Timmermans. „Ich kann die Tatsache nicht verbergen, dass wir streng sein müssen.“ Diese Vorhaben sollen jedoch erst in 2021 konkret werden.

Die „Strategie für eine nachhaltige und smarte Mobilität“ ist bisher eher eine Vision, die aber über ein emissionsfreies Auto weit hinausgeht. Sie soll als Blaupause für eine Verkehrswende bis 2050 dienen. Bis dahin soll die Europäische Union klimaneutral sein. Das bedeutet, alle Arten von Treibhausgasen zu vermeiden oder für einen Ausgleich zu sorgen. Nahezu 30 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen in der EU werden durch den Verkehr verursacht. „Um unsere Klimaziele zu erreichen, müssen die Emissionen des Transportsektors klar nach unten gehen“, mahnte Timmermans.

Umsetzung der Forderungen der Klimaschützer jetzt

Die Rezepte Timmermans sind keinesfalls revolutionär. Klimaschützer predigen seit Jahrzehnten mit eher mäßigem Erfolg, auf saubere Autos, eine stärkere Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene, erhöhte Fracht auf Binnenschiffen und saubere Kraftstoffe zu setzen.

Neben den 30 Millionen abgasfreien Fahrzeugen hat die Kommission weitere Ziele formuliert. So soll sich der Verkehr mit Hochgeschwindigkeitszügen bis 2030 verdoppeln, mindestens 100 Städte sollen europaweit klimaneutral sein. Im Rahmen planbarer kollektiver Reisen unter 500 Kilometer soll kein CO2 mehr freigesetzt werden. Zudem ist eine Steigerung des Frachtverkehrs auf der Schiene um 50 Prozent geplant. Beim Transport auf Binnenschiffen und kurzen Verbindungen über das Meer soll der Zuwachs 25 Prozent betragen. Und Schiffe ohne Abgase sollen bis dahin Marktreife erreicht haben.

Bereits in zehn Jahren soll automatisiertes Fahren im großen Stil realisiert worden sein. Außerdem sollen Bürger auf einer Reise mit einem Ticket sowie gesicherten Passierrechten problemlos zwischen Verkehrsmitteln wechseln, also beispielsweise vom Zug auf einen Leihwagen umsteigen können.

Emissionsfreie Flugzeuge soll es dann bis 2035 geben. Und bis 2050 ist geplant, dass fast alle Autos, Busse, Vans und neue Lastwagen emissionsfrei fahren und sich der Schienen-Frachtverkehr bis dahin verdoppelt hat. Außerdem wird es ein funktionstüchtiges transeuropäisches Transport-Netzwerk mit verschiedenen umweltfreundlichen, sicheren und digitalisierten Verkehrsmitteln geben. Und die Zahl der Verkehrstoten soll auf nahezu Null sinken.

Immenses Investitionsvolumen für 80 Einzelvorhaben

Dieser Plan wird allerdings erst in den nächsten Jahren in die konkrete Umsetzung gehen. Zu dieser Strategie gibt es einen seitenlangen Anhang, der insgesamt etwa 80 Einzelvorhaben auflistet, die der Industrie mit nachjustierten Regeln Anreize geben sollen. Doch die Autoindustrie fürchtet diese schnelle, ja sogar überstürzte Durchsetzung extrem niedriger Emissionsstandards.

Selbstverständlich soll auch den Bürgern der Umstieg sowie die Änderung ihrer Verkehrsmuster schmackhaft gemacht werden. Zudem sollen Geldgeber für Investitionen ermutigt werden. Im Vergleich zu den vorangegangenen zehn Jahren setzt die Kommission für diesen Umbau allein für die Jahre 2021 bis 2030 zusätzliche Investitionen in Höhe von 130 Milliarden Euro jährlich an (aus privater wie öffentlicher Hand). Sie beinhalten die Kosten für neue Fahrzeuge inklusive großer Transportmittel wie Flugzeuge oder Schiffe. Weitere 100 Milliarden Euro jährlich könnten noch für den Ausbau der Infrastruktur hinzukommen.

Sind 30 Millionen emissionsfreie Autos bis 2030 genug?

Wie zu erwarten war, gibt es auch Kritik an dem Plan. Greenpeace kritisierte, dass Europa mit dem Ziel von 30 Millionen emissionsfreien Fahrzeugen weit hinter dem Nötigen und dem Möglichen zurückbleibe. Sieben bis zehn Millionen E-Autos seien ja alleine von Deutschland bis dahin geplant. Aktuell gibt es dem europäischen Autoverband Acea zufolge europaweit mehr als 312 Millionen motorisierte Fahrzeuge.

Markus Ferber, Europaabgeordneter der CSU, übte ebenfalls Kritik: „Es fehlen echte Lösungsansätze für urbane Mobilität, und die Schwierigkeit der ländlichen Regionen, bei den anstehenden Änderungen im Verkehr abgehängt zu werden, ist gar nicht erst erwähnt.“ Zum autonomen Fahren fehle ebenfalls eine Strategie hinsichtlich Ablauf von Vernetzung und Automatisierung.

„Ich hoffe, die Kommission hat in ihren Schubladen mehr Ideen zur Modernisierung des Verkehrs, als sie in der neuen Strategie auflistet“, meinte Ferber. Denn dieser Plan biete nicht wirklich viel Neues.

„Digitalisierung und Vernetzung im Straßenverkehr nur oberflächlich behandelt“

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) kritisiert, dass die Strategie zu stark auf Verkehrsträger jenseits der Straße setze: „Schiffe und Züge werden den Mobilitätsbedarf der Menschen alleine nicht bewältigen können, wie soll das gehen?“ Vernetzung und Digitalisierung im Straßenverkehr hätten nur eine oberflächliche und allgemeine Behandlung erfahren, so die Mitteilung des VDA. „Dabei brauchen wir doch gerade jetzt massive Investitionen in die digitalen Netzwerke, wir brauchen die rechtliche Ermöglichung für autonomes Fahren und natürlich die Lade-Infrastruktur.“

Eine geplante Kerosinsteuer wurde vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) wie folgt kritisiert: „Jede nicht international für den gesamten Luftverkehr eingeführte Kerosinbesteuerung hätte massive Wettbewerbsverzerrungen zur Folge“, so die Mitteilung des Verband.

Kerstin Andreae, Vorsitzende des deutschen Energiebranchenverbands BDEW, lobte hingegen die Strategie, die für die angestrebte Klimaneutralität ein wichtiger Schritt sei.

Quelle: https://www.elektronikpraxis.vogel.de / (dpa)





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