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Mittwoch, 30.09.2020

Kauf eines Elektroautos: Gut gewappnet dank 5-Punkte-Check




Der Kauf eines Elektroautos hat durch die Bezuschussung vom Staat in Höhe von 9500 Euro an Attraktivität gewonnen. Zudem haben die neuesten Modelle auch mit alten Vorurteilen aufgeräumt. Trotz alledem ist ein Stromer noch längst nicht ein Auto für jedermann. Es gibt fünf Punkte, die vor einem Kauf berücksichtigt werden sollten.

Der eine oder andere Autokäufer überlegt sicherlich, ob er aufgrund der erhöhten Staatsprämie nun doch auf ein Elektroauto umsteigen soll. Allerdings ist der Umstieg nicht für jeden Interessenten sinnvoll oder ohne weiteres möglich. Es gilt, vor dem Kauf einige Aspekte zu beachten. Es müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und letztendlich mit der Entscheidung glücklich zu werden. Folgende fünf Schritte helfen beim Check, ob der Kauf eines E-Autos eine individuell gute Wahl ist.

Lade-Infrastruktur

Die Versorgung mit Ladestrom ist ein zentrales Entscheidungskriterium für oder gegen den Kauf eines Elektrofahrzeugs. Im Idealfall verfügt der Nutzer über einen eigenen frei zugänglichen Ladepunkt, der dem Fahrzeug günstigen Hausstrom als Energiequelle zur Verfügung stellt. Rein theoretisch ist das Laden insbesondere in den Städten auch ohne eigenen Ladepunkt möglich. Bisher ist diese Möglichkeit aber eher die umständlichere Alternative.

Wenn auch der Ausbau der Lade-Infrastruktur voranschreitet, sind öffentliche Ladesäulen in unmittelbarer Nähe zum eigenen Zuhause bisher eher selten - und der Weg zum nächsten Ladepunkt noch deutlich zu lang. Hinzu kommt die fehlende Verfügbarkeit öffentlicher Ladepunkte. Außerdem ist der Strom meist teurer als aus der eigenen Steckdose. Wer sein Fahrzeug in erster Linie für die Fahrt zur Arbeit nutzt und vom Arbeitgeber eine entsprechende Lade-Infrastruktur zur Verfügung gestellt bekommt, könnte gegebenenfalls auf eine eigene Wallbox verzichten.

Wallbox für Zuhause - eine preiswerte Alternative

Wer die Möglichkeit hat, sein Fahrzeug zu Hause zu laden, sollte unbedingt eine Wallbox installieren. Die Stromversorgung über die eigene Steckdose kann nur eine Not-, aber keinesfalls eine Dauerlösung sein, da die Steckdosen nicht für lange Ladevorgänge mit hoher Last konzipiert sind. Auftretende Überhitzung kann schnell zu Schäden führen.

Favorisiert werden sollte die Installation einer 11-kW-Wallbox, die das Aufladen großer Akkus über Nacht problemlos stemmen kann. Im Vorfeld der Installation ist über einen Elektroinstallateur zu prüfen, ob das hauseigene Stromnetz alle technischen Voraussetzungen für eine erhöhte Stromabnahme erfüllt. Zudem ist im Sinne einer zügigen Ladung darauf zu achten, dass das Fahrzeug über einen dreiphasigen, und nicht über einen einphasigen Lader verfügt.

Hauseigentümer sind hinsichtlich der Installation einer Wallbox klar im Vorteil, weil sie über bauliche Änderungen eigenständig entscheiden können. Schwierigkeiten zu erwarten haben Mieter wie auch Immobilienbesitzer in Eigentümergemeinschaften. Aufgrund rechtlicher Gegebenheiten könnte eine Wallbox-Installation schwierig oder sogar unmöglich sein. In diesem Zusammenhang hat die Bundesregierung jedoch im Frühjahr bereits beschlossen, eine Durchsetzbarkeit zu erzielen. Ab Herbst soll es für Mieter von Eigentumswohnungen ein Recht auf die Wallbox geben. Für den Beschluss zum Einbau einer Ladevorrichtung im Gemeinschaftseigentum soll dann eine einfache Mehrheit ausreichen.

Bei Interesse für ein E-Auto sollte daher im Vorfeld immer zuerst geklärt werden, ob ein eigener Ladeanschluss realisiert werden kann.

Reichweite wichtigstes Entscheidungskriterium

Das stärkste Argument gegen den Kauf eines E-Autos ist nach wie vor die Reichweite. Doch dies ist laut zahlreicher Umfragen und Studien meist unbegründet. Selbst Modelle mit kleinem Bewegungsradius sollten mittlerweile über einen Stromvorrat verfügen, der für die tägliche Fahrt zu Arbeit und den Wochenendausflug in der Region reicht. Für Fahrzeuge mit einer Reichweite von 400 bis 500 Kilometer nonstop wurde das Angebot mittlerweile ausgeweitet. Schnellladesäulen auf den Fernwegen ermöglichen zudem gut geplante Urlaubsreisen. Es gilt aber zu bedenken, dass Fahrzeuge mit einer hohen Reichweite aufgrund der größeren Batterien in der Regel teuer und zudem oft ineffizient sind.

Wer hauptsächlich Langstrecke fährt, kann der Reichweitenproblematik auf zweierlei Wegen entgehen. Entweder wird das E-Auto nur als Zweitwagen genutzt oder es wird kein reines E-Auto, sondern eine Plug-in-Hybrid-Fahrzeug gekauft. Dieser fährt auf Kurzstrecken elektrisch, auf Langstrecken als Verbrenner. Und wer längere Strecken nur wenige Male im Jahr fährt (zum Beispiel für Urlaubsfahrten ins europäische Ausland), mietet sich hierfür einen Verbrenner, während im Alltag das eigene E-Auto gefahren wird.

Die Zuverlässigkeit

Viele Autokäufer zeigen dem E-Auto gegenüber noch Misstrauen, obwohl die Stromer insgesamt als störungsarm gelten. Das ist insbesondere auf die geringe Zahl mechanischer Komponenten zurückzuführen, die ein E-Auto im Vergleich zum Verbrennerauto hat. Die eingesetzten und technisch ausgereiften Komponenten entstammen der Großserienfertigung. An vorderster Front ist hier die Batterie zu nennen, deren Zellen in enormen Mengen und gleichbleibender Qualität in großen Fabriken hergestellt werden.

Noch vor zehn Jahren galt die Batterie als unbekannte Größe. Heute ist sie ein unkritisches Bauteil. Aufgrund der zumeist positiven Erfahrungen ist es in der Branche üblich, den Akkus nach acht Jahren oder 150.000 Kilometer Laufleistung eine Mindestkapazität von 70 Prozent zu garantieren. Auf Basis zahlreicher E-Auto-Dauertests konnte der ADAC durchweg positive Bilanzen hinsichtlich der Zuverlässigkeit ziehen. Tests mit gebrauchten Teslas und Laufleistungen von 300.000 und sogar über 400.000 Kilometern zeigen, dass sehr hohe Laufleistungen möglich sind.

Der Kostenfaktor

Aktuell haben E-Autos im Kostenvergleich mit anderen Antrieben die Nase vorn. Das verdanken sie in erster Linie der auf nunmehr fast 9500 Euro gestiegene Umweltprämie. So ist beispielsweise ein VW E-Up bereits für etwa 12.500 Euro zu haben und somit in der Kategorie der Kleinstwagen in der Anschaffung günstiger als die Verbrenner-Variante des gleichen Fahrzeugmodells.

Einige Produzenten sind sogar dazu übergegangen, die Umweltprämie über die reduzierte Mehrwertsteuer zusätzlich aufzustocken. Dadurch kostet ein Renault Zoe nur noch rund 12.000 Euro, der Hyundai Kona gut 23.000 Euro. Auch diese Elektrofahrzeuge sind günstiger als der jeweilige Verbrenner der gleichen Modelllinie.

Einen weiteren Pluspunkt sammeln die E-Autos bei den geringen Unterhaltskosten. Die Kfz-Steuer entfällt bis 2030, günstigere Versicherungstarife und niedrigere Energiekosten kommen noch hinzu. Weitere Einsparpotentiale ergeben sich durch den geringeren Wartungsaufwand und den reduzierten Verschleiß.

Der ADAC hat im Jahr 2018 bereits errechnet, dass bei Betrachtung der Gesamtbilanz ein E-Golf günstiger ist als ein Benziner. Heute dürfte das nahezu auf jedes E-Auto zutreffen. Das ist ein Grund dafür, dass die Nachfrage nach E-Autos kräftig angezogen hat und aktuell teilweise für deutlich verlängerte Lieferzeiten und in einigen Fällen auch zu Bestellannahmestopps geführt hat.

Parallel zum gesunkenen Anschaffungspreise dürfte auch der Wertverlust von E-Autos zukünftig niedrig ausfallen. Käufer von E-Autos früherer Jahren haben hinsichtlich des Kaufpreises teils erhebliche Einbußen hinnehmen müssen. Trotzdem bleiben die Preise auch bei alten Modellen hoch. Eine Analyse des Marktbeobachters Schwacke aus dem Jahr 2019 zeigt, dass E-Autos mittlerweile eine ähnlich hohe Wertstabilität aufweisen wie Benziner.

Diese positive Entwicklung zeigt sich auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Der Kleinstwagen Mitsubishi iMIev gehört zu den ältesten Serienmodellen der E-Auto-Szene. Er wurde übrigens auch als Citroen C-Zero verkauft. Die Preise liegen selbst für neun bis zehn Jahre alte Fahrzeuge nahezu immer über 6.000 Euro. Für Exemplare des Kleinwagenmodells Mitsubishi Colt mit Verbrennungsmotor im gleichen Alter liegen die Preise deutlich darunter. Dieses Beispiel zeigt, dass selbst alte E-Autos trotz gesunkener Neupreise und gestiegener Fördermittel wertstabil bleiben.

Der Umweltaspekt

Für die meisten Umsteiger von Verbrenner- auf Elektroauto ist der Umwelt- und Klimaschutz der wichtigste Grund. Einen Vorteil hat das E-Auto in diesem Punkt definitiv: Es emittiert lokal keine schädlichen Abgase und kann somit vor allem in mit Stickoxid belasteten (Groß-) Städten für eine bessere Luftqualität sorgen. Hinsichtlich des Klimaschutzes sieht es etwas anders aus, da auch E-Autos CO2-Emissionen verursachen. Und die sind bei der Produktion der meist großen Batterien sogar größer als beim Diesel oder Benziner.

Mit zunehmender Nutzungsdauert kann das E-Auto diesen Minuspunkt wieder wettmachen. Die Veröffentlichung einer umfangreichen Studie des ADAC Ende 2019 hat gezeigt, dass E-Autos bereits nach 40.000 Kilometern klimafreundlicher als Verbrenner sein können - vorausgesetzt, das Fahrzeug wird mit 100 Prozent klimaneutralem Strom betankt. Betrachtet man den Mix im deutschen Stromnetzt, verschlechtert sich die Bilanz. Mit normalem Strom fährt das E-Auto - verglichen mit dem Benziner - erst nach etwa 130.000 Kilometer für das Klima vorteilhaft.

Nach Einschätzung des Automobilclubs werden die Klimavorteile mit den Jahren zunehmen. „So wird sich die Treibhausgas-Bilanz von Elektroautos in Zukunft deutlich verbessern. Denn voraussichtlich wird der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix weiter steigen. Wichtig wird auch, dass Fahrzeug- und Batterieproduktion CO2-neutral sind, so wie es VW für den ID.3 angekündigt hat.“

Bisher gelten der generelle Verzicht auf ein Auto und der Kauf eines Erdgasautos als klimafreundlichere Alternativen zum Elektroauto.

Quelle: www.n-tv.de





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