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Montag, 27.09.2021

Langzeit- oder Kurzzeitliebe: Wann ist für eine Trennung vom Auto der richtige Zeitpunkt?




Auch Autos kommen irgendwann in die Jahre. Egal, wie zuverlässig sie bisher waren. Solange nur der übliche Verschleiß zum Kostenfaktor wird, fällt eine Trennung noch schwer. Kommen dann aber erste Wehwehchen und sich häufende Werkstattbesuche hinzu, werden Nerven und Brieftasche der Autobesitzer einer Geduldsprobe ausgesetzt. Nicht selten schmilzt die einst große Liebe allmählich dahin.

Muss der Turbolader ersetzt werden, geht das richtig ins Geld. Um derartige Kosten zu vermeiden, ist ein rechtzeitiger Verkauf des Fahrzeugs unumgänglich. Aber wann ist rechtzeitig?

„Die Laufleistung, bei der man allmählich darüber nachdenken sollte, zu verkaufen, kann zum Beispiel je nach Fahrzeuggattung, Hersteller oder Motorisierung stark variieren.“, sagt Carsten Kürten, der in Köln sowohl die Restaurierung von Klassikern als auch einen Reparaturservice für Alltagsfahrzeuge anbietet. Deshalb sei eine pauschale Beantwortung der Frage gar nicht möglich.

Laufleistung nicht alleinentscheidend

So können bei einem Kleinwagen bereits bei einer Laufleistung von 80.000 oder 90.000 Kilometern erste Schäden auftreten, während die große Diesel-Limousine eines Premiumherstellers 200.000 Kilometer ohne Probleme laufe. Außerdem spiele auch der Einsatz des Fahrzeugs beim Alterungsprozess eine nicht unerhebliche Rolle. „Wenn ich vornehmlich mit 120 km/h auf der Autobahn unterwegs bin, sind die gefahrenen Kilometer auf dem Tacho uninteressant im Vergleich zu einem Auto, das ausschließlich im Stadtverkehr, auf schlechten Straßen und im Stop-and-go-Modus bewegt wird", erklärt Kürten.

Eine festgeschriebene Regel hat auch Constantin Hack vom Auto Club Europa (ACE) nicht parat: „Wir können keine definitive Alters- oder Kilometer-Grenze nennen, bei der Halten teurer wird als Verkaufen oder umgekehrt." Das Ganze sei doch eher als „eine Art Lottospiel“ einzustufen. Und zwar schon allein deshalb, weil auch Fahrzeuge einer Baureihe bereits durch völlig unterschiedliche (Un-) Zuverlässigkeiten aufgefallen seien: „Wenn überhaupt, kann man vielleicht den klassischen Fünf-Jahreszyklus als Richtschnur heranziehen", so die Bestätigung Kürtens. Den höchsten Wertverlust erfahre ein Neuwagen in den ersten drei Jahren, dann werde die Kurve bis zum fünften, sechsten Jahr immer flacher. Dies sei ein sinnvoller Zeitpunkt für eine Entscheidung, ob der Wagen verkauft oder behalten werden soll.

Psychologische Kriterien beachten

Ein weiterer Richtwert ist die 100.000 Kilometergrenze: „Die aber ist ein rein psychologischer Richtwert", so Hack. „Das sieht man schon daran, dass ich für ein Auto weniger erlöse, wenn ich es mit einem Tachostand von 103.000 statt mit einem von 97.000 Kilometer verkaufen möchte." Deshalb lautet sein Rat, sich bereits vor der 100.000er Marke die Frage zu stellen, ob ein Verkauf in Frage komme.

Fällt die Entscheidung gegen den Verkauf, sei allerdings damit zu rechnen, bald durch „ein Tal der Tränen“ gehen zu müssen. „Es muss erst schlechter werden, bevor es besser wird“, gibt Kürten in diesem Zusammenhang zu bedenken. Die eine oder andere Reparatur werde sich nicht vermeiden lassen, und die sei dann zwangsläufig mit höheren Kosten verbunden. „Dann allerdings könne man meist erst einmal wieder sorgenfrei fahren, so der Kfz-Profi.

Hohe Reparaturkosten irgendwann nicht mehr wirtschaftlich

Es gibt allerdings auch absolute Pechvögel. So berichtet der Kölner Kfz-Experte von einer Kundin und ihrem zehn Jahre alten BMW-Kombi (5er Reihe, 170.000 Kilometer): „Bei diesem Fahrzeug ist die Kurbelwelle an der Riemenscheibe abgebrochen, ein so ungewöhnlicher Schaden, dass man wohl von einem Einzelfall sprechen kann. Für Austauschmotor und Arbeitslohn würden jetzt mehr als 1. 000 Euro anfallen." Wenn es ihm auch darum gehe, Autos möglichst lange zu erhalten, habe er dieser Kundin von einer Reparatur dringend abgeraten.

Es verbiete sich, in ein Fahrzeug mit dieser Laufleistung und einem Zeitwert von etwa 13.000 oder 14.000 Euro eine solche Summe zu investieren. Sicherlich hätte man dann ein Fahrzeug mit nagelneuem Motor. Man dürfe aber nicht vergessen, dass bei einer derart hohen Laufleistung jederzeit damit zu rechnen sei, dass auch bald beim Fahrwerk oder Getriebe kostenintensive Probleme auftauchen können.

Nachhaltigkeit ist ein Argument

Der Aspekt der Nachhaltigkeit übertrumpfe zuweilen das eigene Portemonnaie deutlich: „Ein Fahrzeug, das kaum mehr Wertverlust ausweist, ist nicht nur gut für die eigene Kasse, sondern auch für die Umwelt", erläutert Hack. Jedes neu produzierte Fahrzeug verschlinge große Rohstoffmengen. „Schon deshalb ist es gut, dass es mittlerweile keine Abwrackprämie mehr gibt", ist er überzeugt. „Viele der Autos, die sonst verschrottet werden würden, dürfen nun weiterleben."

Quelle: www.sueddeutsche.de (© dpa-infocom, dpa:210809-99-778433/3)





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