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Samstag, 04.04.2020

KFZ-Gewerbe besorgt: Autohandel verboten!




KFZ-Gewerbe besorgt: Autohandel verboten!

Im Zeichen der Corona Pandemie sind viele Branchen alarmiert - das Kfz-Gewerbe gehört zweifelsohne dazu. Tankstellen und Werkstätten sind weiterhin geöffnet, Autohäuser jedoch mittlerweile geschlossen. Droht eine Pleitewelle?

Im Sinne der Bekämpfung des Coronavirus wurde von der Bundesregierung der stationäre Kraftfahrzeughandel untersagt. Diese Entscheidung sorgt beim Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) für Besorgnis. Dessen Vizepräsident, Thomas Peckruhn, teilte mit, dass diese Entscheidung die Automobil-Unternehmen in eine prekäre Lage bringe.

Seit Mittwoch, dem 18. März, sind Autohäuser geschlossen, Werkstätten jedoch nicht, da sie ebenso wie Lebensmittelläden und Tankstellen zu den Einrichtungen gehören, die die notwendige Grundversorgung der Menschen. Die Autohäuser sehen allerdings in der tatsächlichen Umsetzung der staatlichen Regeln große Schwierigkeiten.

Demarkationslinie im Autohaus

Ab sofort wird durch die Autohäuser eine Trennungslinie gezogen, die Kunden aber schwer zu erklären sei. Die Fortführung des Werkstattbetriebes der Autohäuser ist zwar erwünscht. Doch einem im Autohaus stehenden Kunden vernünftig zu vermitteln, dass gewünschtes Zubehör zwar eingebaut, jedoch nicht an ihn verkauft werden dürfe, sei äußerst schwierig, so Peckrun. Ohne erhebliche Liquiditätshilfen würden nach Ansicht des ZDK zahlreiche Betriebe ein generelles Verbot des Handels nicht überleben.

Es stehe außer Frage, dass sich das Kfz-Gewerbe in dieser einmaligen Krisensituation 100-prozentig zum vorrangigen Schutz von Leib und Leben bekenne. Es bestünden aber Zweifel daran, ob ein sinnvoller Beitrag zum Gesundheitsschutz möglich sei, wenn in einem Unternehmen verschiedene Maßstäbe gelten würden.

Kfz-Gewerbe in Bayern unterstützt

Der Freistaat Bayern ist derzeit bemüht, für das Kraftfahrzeuggewerbe die größten Härten abzumildern. Von den Vertreter des Kraftfahrzeuggewerbes wurde die Unterstützung für den Mittelstand bereits gelobt. „Die von der bayerischen Staatsregierung angekündigten unbürokratischen Soforthilfen von bis zu 30.000 Euro für Betriebe unter 250 Mitarbeitern sind eine große Unterstützung für den Mittelstand und sorgen für sofortige Liquidität“, sagte der Präsident und Landesinnungsmeister Albert Vetterl. „Das wird auch unserem bayerischen Kraftfahrzeuggewerbe mit seinen rund 7.000 Innungsbetrieben in dieser wirtschaftlich schwierigen Situation helfen“, so Vetterl weiter. Insbesondere in dieser aktuellen Lage nehme die Staatsregierung ihre Verantwortung für die Wirtschaft Bayerns ernst.

Die Autoindustrie steht insgesamt vor schwierigen Zeiten und werde insbesondere auch auf Dienstleister und Zulieferer durchschlagen. Wegen der Coronakrise haben zahlreiche Automobilhersteller ihre Produktion bereits weitgehend eingestellt (VW, Daimler, Audi, Porsche, BMW). Bei der bundesweit größten Autovermietung SIXT sind seit Anfang März die Buchungen eingebrochen, primär an den Flughäfen. Von Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer wurde im ZDF die „schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“ festgestellt. Den Zusammenbruch der drei größten Kernmärkte (China, USA, Europa) habe die Menschheit „bisher noch nicht erlebt“.

Hartes Jahr für Kfz-Gewerbe von Roland Berger vorausgesagt

In der letzten Woche hat die Unternehmensberatung Roland Berger mit besonderem Augenmerk auf spezielle Branchen und Lieferketten das Störungspotenzial für die Weltwirtschaft bewertet. Die Spezialisten gehen davon aus, dass die Automobilbranche maßgeblich den größten Abschwung erfahren wird, die bereits durch einen nur trägen Zuwachs in 2019 eine Schwächung erfahren hat.

In 2020 könne die Bruttowertschöpfung schlimmstenfalls um bis zu 10,6 Prozentpunkte abstürzen. Dadurch würden die Automobilverkäufe wesentlich stärker sinken (zehn Prozent) als prognostiziert. Aufgrund der unterbrochenen Lieferketten wäre zudem keine Erhöhung möglich. So folgt im Szenario „Verzögerte Heilung“ auf ein auffälliges Verkaufstief aufgrund von Engpässen im Bereich Bauteile und bei den Lieferketten in Halbjahr eins ein Produktionsanlauf in Quartal vier, aufgrund dessen der Effekt übers Jahr gesehen minimiert wird. Betrachtet man das Szenario „Schnelle Erholung“, wird auf einen kleinen Abfall im Verkaufsvolumen in den ersten sechs Monaten ein ausgleichender Produktionslauf in Halbjahr zwei folgen. (str)

www.deutsche-handewerks-zeitung.de





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