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Montag, 10.12.2018

Zeitdruck führt zu Aggression im Straßenverkehr



Viele Autofahrer beobachten die Entwicklung im Straßenverkehr mit wachsender Besorgnis: Rücksichtsloses Fahrverhalten beherrscht mehr und mehr den Verkehr auf deutschen Straßen. Eine der wichtigsten Ursachen hierfür ist Zeitdruck.

Sicherlich haben Sie es auch schon beobachtet. Das Autofahren macht heute nicht mehr wirklich Freude. Der Werbeslogan eines deutschen Automobilherstellers klingt fast schon wie Hohn, wenn beobachtet werden muss, dass zu schnelles Fahren verbunden mit Drängelei, lebensgefährlichen Überholmanövern und Rücksichtslosigkeit auf Deutschlands Straßen kontinuierlich zunehmen. Aggressivität im Straßenverkehr hat viele unschöne Gesichter: Lichthupen und Auffahren bis an die Stoßstange, Ausbremsen, Abdrängen und rechts überholen sind nur einige Varianten aggressiven Fahrverhaltens. Beschimpfungen, Stinkefinger und geballte Fäuste begegnen uns im Straßenverkehr immer häufiger. Doch warum ist das so?

Schnelle Autos und erhöhter Zeitdruck – eine verheerende Kombination

Wie in der Augsburger Allgemeine zu lesen ist, ist der Mix aus Aggression und Raserei auf deutschen Straßen Todesursache Nummer eins. In 2012 sind aufgrunddessen 3760 Menschen im Straßenverkehr zu Tode gekommen, mit leicht abnehmender Tendenz. Trotzdem steigt die Zahl der Unfälle weiter an. Experten sehen einen Zusammenhang zwischen immer schnelleren Autos und dem wachsenden – subjektiv empfundenen – Zeitdruck.

Kleinigkeiten führen bereits zur Provokation

Kleiner Auslöser – große Wirkung. Verkehrsforscher haben herausgefunden, dass die Gefühle vieler Autofahrer bereits durch eine zögerliche Fahrweise des Vordermanns und Baustellen verrückt spielen können. Jens Schade von der Uni Dresden sagt:

„Die Leute wollen ihr Ziel schnellstmöglich erreichen. Damit das gelingt, ist ihnen jedes Mittel recht.“ Verkehrspsychologen behaupten, dass Aggression im Straßenverkehr nicht als Selbstzweck gemeint sei. Es gehe eher darum, dass aggressive Autofahrer ihren Willen durchsetzen wollen. Gelingt ihnen das nicht, fühlen sie sich als Opfer.

Drängler machen Angst – Schleicher nerven

30 Prozent der Autofahrer sind genervt von Langsamfahrern. Aber 80 Prozent der Autofahrer fühlen sich durch zu dichtes Auffahren regelrecht bedroht. Jeder fühlt sich vom anderen provoziert. Das Verzwickte daran ist, dass oftmals schwer einzuschätzen ist, wer Täter und wer Opfer ist. Der ADAC hat in Untersuchungen Folgendes festgestellt:

„Die meisten denken jeweils, die anderen sind schuld.“

Insgesamt fühle sich mehr als die Hälfte aller Autofahrer durch Aggression im Straßenverkehr bedroht. Von den Rasern gibt es laut Siegfried Brockmann (Leiter Unfallforschung der Versicherer, UDV) ein relativ eindeutiges Profil: „Der klassische Typ Drängler ist ein Mann in den besten Jahren, der Erfolg hat, ein großes Auto fährt und viel unterwegs ist. Deswegen glaubt er, besser zu sein als andere.“

Ein schwarzer BMW naht – für viele Bedrohung pur

Auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes sprechen eine deutliche Sprache. In 2010 waren von 174 558 wegen Verkehrsdelikten verurteilte Menschen mehr als 85 Prozent männlich. Auch die Automarke scheint eine Rolle zu spielen. Einer ADAC-Befragung zufolge fühlen sich mit 50,6 Prozent die meisten Autofahrer von BMW-Fahrern bedroht. Es folgen Mercedes- (knapp 33 Prozent) und Audi-Fahrer (etwa 25 Prozent). Auch die Farbe des Wagens ist dabei nicht ohne Bedeutung – ganz im Gegenteil. Immerhin 43,5 Prozent aller Befragten verbinden mit Fahrern von schwarzen Wagen agressives Fahrverhalten. Der Grad der empfundenen Bedrohung ist auf den Autobahnen mit über 50 Prozent am höchsten. Im Stadtverkehr fühlen sich 22 Prozent, auf Landstraßen jedoch nur 16 Prozent der Autofahrer bedroht. Doch was bringt Aggressivität im Straßenverkehr? Die Universität Nürnberg hat etwas Interessantes herausgefunden.

Raser sind auch nicht schneller am Ziel

Eine Untersuchung hat gezeigt, dass die Raserei in Summe gar nichts bringt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen liege gerade einmal zwischen 80 und 105 Stundenkilometern. Eine Testfahrt von Frankfurt nach München hat gezeigt, dass ein „agressiver Temposünder“ im Vergleich zu einem „vernünftigen Autofahrer“ – optimale Bedingungen vorausgesetzt – nur eine halbe Stunde Zeit gutmachen konnte. Im Hinblick auf das erhöhte Risiko, das der Fahrer durch seinen aggressiven Fahrstil eingeht, steht der Zeitgewinn in keinem vernünftigen Verhälnis. Und aggressives Fahrverhalten hat mit Vernunft grundsätzlich wenig zu tun.

Zeitdruck durch Aggression wettmachen zu wollen, lohnt sich nicht! Doch wir sind alle nur Menschen mit Emotionen. Was also tun?

Der DAV (Deutscher Anwaltverein) lehnt schärfere Sanktionen ab. Er sieht das Problem eindeutig darin, dass Raser und Drängler verhältnismäßig selten erwischt werden. Die Kritik des ADAC geht in die gleiche Richtung. Stärkere Kontrollen konfrontierten Raser direkt mit ihrem rücksichtslosen Verhalten. Unfallforscher Brockmann ist der Meinung, dass den Polizisten in Zivilfahrzeugen mehr moderne Videotechnik zu Verfügung gestellt werden müsse, um Raser stellen zu können.

Und was können Sie tun? Am besten sei es nach Ansicht der Verkehrspsychologen, in brenzligen Situationen einfach tief durchzuatmen. Versetzen Sie sich in die Lage Ihres Gegenübers. Bleiben Sie also ruhig. Die vermeintliche Provokation gilt in den seltensten Fällen Ihnen persönlich.

In diesem Sinne eine entspannte Fahrt.



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