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Montag, 10.12.2018

Selbsthilfe bei der Autoreparatur kann teuer werden



Sicherlich haben auch Sie sich schon über hohe Werkstattkosten aufgeregt und sich vorgenommen, vielleicht die eine oder andere Reparatur selbst durchzuführen, um Kosten zu sparen. Haben Sie sich auch ernsthaft gefragt, ob Sie entsprechenden Voraussetzungen erfüllen, um sich als Laie am eigenen Auto zu versuchen? Selbsthilfewerkstätten scheinen hierfür eine geeignete Hilfe zu bieten.

Ganz alleine sollten Sie sich nicht daran wagen, auch wenn es im Internet genügend Informationen und Anleitungen zum Glühlampen- oder Öl- und sogar Bremsenwechsel gibt. Das kann im Endeffekt teurer werden, als wenn Sie gleich in die Fachwerkschaft gefahren wären. Hobby-KFZ-Mechaniker haben oftmals keine Berührungsängste im Zusammenhang mit der aktuellen und oftmals komplizierten Elektronik, ist in der Wolfsburger Allgemeinen zu lesen. So berichtet Hakim Rahimi aus Ahrensburg (Auto Selbsthilfe), dass bei ihm nicht nur alte, sondern auch viele neue Fahrzeuge repariert würden. Dabei sei die Elektronik gar nicht das Problem, da die Werkstatt auch über ein Diagnosegerät verfüge.

Festzuhalten ist, dass bei Weitem nicht alle Selbsthilfewerkstätten gleich gut ausgestattet sind und denselben Service bieten. Johannes Hübner vom AvD (Automobilclub von Deutschland) sagte hierzu gegenüber der Wolfsburger Allgemeinen: "Die Qualität ist sehr unterschiedlich und hängt maßgeblich von der Qualifikation und dem Engagement des Betreibers ab.“ Es sei nicht erforderlich, dass sich Selbsthilfegruppen einem KfZ-Betrieb anschlössen. Und Ansgar Klein von BVFK (Bundeverband Freier Kfz-Händler) erklärt: "Man muss auch keinen Meisterbrief besitzen, um so eine Werkstatt zu betreiben.“

Vermieter von Werkzeug und Hebebühnen sollten aber schon wissen, wo der eigene Service endet. Andernfalls gerate man schnell in die Haftung. Eva Maria Holst (Fachanwältin Verkehrsrecht, Hamburg) ergänzt: "Grundsätzlich dürfte eine Selbsthilfewerkstatt in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Haftung weitgehend ausgeschlossen haben“. Wenn dann ein Schaden aufgrund eines defekten gemieteten Werkzeugs oder einer fehlerhaften Hebebühne entstehe, hafte nicht der Hobbyschrauber, sondern der Vermieter. Auf der anderen Seite gilt aber auch: "Baut der Nutzer trotz richtiger Empfehlung etwas falsch ein, kann er die Werkstatt nicht in die Verantwortung nehmen", so die Fachanwältin. Und weiter: „Liefert der Betreiber Ersatzteile, haftet er zwar für Schäden am verkauften Teil, nicht aber für Schäden, die beim Einbau entstanden sind."

Ereignet sich aufgrund einer mangelhaften Reparatur ein Unfall, übernehme die Haftpflicht zwar den Schaden am Fahrzeug des Gegners, von der Kasko gäbe es jedoch kein Geld, warnt ADAC-Expertin Hartung. Und Fachanwältin Hartung ergänzt: "Wenn jemand sein Fahrzeug selbst repariert, trägt er in aller Regel auch für alle aus dieser Reparatur resultierenden Schäden selbst die Verantwortung.“

Der ZDK (Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe) zeigt sich von den Aktivitäten der Hobby-Mechaniker wenig angetan. "Fahrzeugreparaturen sollten im Sinne der Verkehrssicherheit von dafür ausgebildeten Fachleuten in Kfz-Meisterbetrieben durchgeführt werden", sagte der Sprecher des Verbandes Ulrich Köster. Und Herr Hübner vom AvD ist der Meinung: "Selbsthilfewerkstätten sind etwas für ambitionierte Laien, die bei Reparaturen Geld sparen möchten. Speziell Arbeiten an Motor und Antrieb aber bedürfen einer entsprechenden Diagnosestruktur - hier sollte sogar abgeraten werden." Häufig seien es aber auch Mitarbeiter aus dem Kfz-Gewerbe, Motorsportler und Oldtimer-Fans mit Sachverstand, die Mietbühnen in Anspruch nehmen. Auch wenn stellenweise Kritik geübt wird, seien die Selbsthilfewerkstätten für Reparaturmöglichkeiten generell eine wichtige Ergänzung.

 

Wenn Sie demnächst wieder darüber nachdenken sollten, durch Eigenreparatur an ihrem Fahrzeug Kosten zu sparen, sollten Sie sich selbst gegenüber ehrlich sein und sich ernsthaft die Frage beantworten, warum Sie tatsächlich dafür geeignet sind. Eine positive Entscheidung sollten Sie nicht zuletzt im Sinne Ihrer eigenen Sicherheit und der ihrer eigenen guten Gewissens treffen können.



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