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Freitag, 14.08.2020

Nicht nur auf Reisen: Die richtige Beladung des Autos




Urlaubszeit ist Reisezeit - vor allem in Corona-Zeiten bevorzugt mit dem eigenen Auto. Doch nicht nur das Reisegepäck muss sicher verstaut werden, damit es durch herumfliegende Gegenstände nicht zu Verletzungen oder gar Unfällen kommt.

Kaum ein Autofahrer ist sich dessen bewusst, dass ihn ein ungesichertes 300 g schweres Smartphone bei einer Vollbremsung aus Tempo 50 aufgrund der Fliehkraft mit einer Wucht von 15 Kilogramm am Kopf treffen kann. Und eine Getränkekiste? Die knallt dann mit dem Gewicht einer Dreivierteltonne nach vorne, so die Berechnung des Auto Club Europa (ACE). Insofern steigt das Unfall- und Verletzungsrisiko nicht nur bei einer Urlaubsfahrt - auch nach einem Einkauf im Möbelhaus oder Baumarkt ist dringend auf eine richtige Beladung zu achten.

Clever packen ist das A und O

„Gepäck sicher zu verstauen ist etwa wie Tetris spielen", sagt Sören Heinze, Sprecher des ACE. „Man sollte von Beginn an alles sicher verstauen, damit nichts durch den Fahrgastraum fliegen kann." Aufgrund der erhöhten Bruchgefahr rät er von Glasflaschen dringend ab. Trinkflaschen sollten immer in entsprechenden Haltern stehen. Und das Handy ist am besten in einer festen Halterung aufgehoben.

„Wichtig ist, nichts auf die Kofferraumabdeckung zu legen", so Heinze weiter. „Alles, was als Geschoss nach vorne fliegt, kann schmerzhaft treffen und ernste Verletzungen herbeiführen. Da hilft auch die Nackenstütze nicht mehr."

Richtig verstauen und befestigen

Die Pressesprecherin des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR), Julia Fohmann, rät: „Es sollten keine Lücken entstehen und alles gut gesichert sein. Wenn möglich, sollte man die Lehne der Rückensitze als sichernde Trennwand nicht umklappen und über dem Kofferraum eine Laderaumabdeckung, ein Sicherungsnetz oder notfalls eine Decke verzurren."

Für Kinder oder andere Passagiere im Fond wird empfohlen, am Vordersitz Netze für Entertainment und Getränke anzubringen. Größere Taschen und Strandmatten können im Fußraum des Beifahrers oder hinten fest verstaut werden.

„Damit kommen wir zum Tetris: Auch im Kofferraum gehören große Gegenstände unten und möglichst weit zur Fahrzeugmitte hin. Dann kann man seitlich, vorne und hinten aufbauen, so dass eine kompakte Ladung zustande kommt", erläutert Heinze die richtige Pack-Prozedur.

Herausragende Ladung erlaubt

Das Beladen ist in Paragraf 22 der Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt. Die Gesamtbreite von Fahrzeug und Ladung darf insgesamt 2,5 Meter nicht überschreiten. Die maximale Gesamthöhe beträgt 4,0 Meter. Wird die Maximalhöhe überschritten, können automatische Höhekontrollen ausgelöst werden, die mindestens 240  € Strafe kosten.

Sind Fahrzeuge niedriger als 2,5 Meter, darf vorne nichts herausragen. Nach hinten sind maximal 1,5 Meter erlaubt. Für Strecken unter 100 Kilometer gelten sogar bis zu 3 Meter; also beispielsweise bei der Heimfahrt vom Möbelhaus oder Baumarkt.

„Wenn die Ladung die Verkehrssicherheit beeinträchtigt, kann die Polizei ein Fahrzeug anhalten und ein Bußgeld verhängen", warnt Fohmann. Das Gleiche gilt für ungesicherte Tiere, da sie rechtlich betrachtet als Ladung gelten.

Sichern und Markieren der Ladung

„Wenn man für lange Ladung die Rückbank umklappt, sollte alles beispielsweise mit einem Gurt so gesichert werden, dass es im Fahrzeuginneren nicht hin und her rutschen kann", lautet Heinzes Rat „Auch das neue Regal muss rutschfrei vertäut sein und bitte unbedingt die Hecklappe fest verzurren, damit sie nicht aufgehen kann."

Ladung, die übersteht, muss entsprechend gekennzeichnet werden, und zwar mit einer 30 x 30 Zentimeter großen Fahne, einem roten Schild gleicher Größe oder mit einem Körper in Zylinderform und einem 35 Zentimeter Durchmesser. „Die Rücklichter müssen an den Seiten unbedingt sichtbar sein", ergänzt Fohmann.

Bei Zweifel Gesamtgewicht kontrollieren

Die Angabe für das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs lässt sich der Zulassungsbescheinigung Teil I (früher Fahrzeugschein) entnehmen. Um sicher zu gehen, empfiehlt der TÜV Süd, das vollbeladene und vollgetankte Auto auf einer öffentlichen Waage zu wiegen. Waagen dieser Art gibt es nahezu in jeder Gemeinde. Adressen gibt es bei der Gemeindeverwaltung oder im Internet.

Auch die Polizei kann nur nachwiegen, wenn der Verdacht einer Überladung besteht, erklärt der TÜV Süd. Laut Bußgeldkatalog kosten 20 Prozent und mehr zu viel Ladung 95 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg.

 

Quelle: www.sueddeutsche.de (© dpa-infocom, dpa:200706-99-690274/2)





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