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Dienstag, 22.06.2021

Darauf ist beim Reifenkauf für Elektroautos zu achten




Autoreifen für E-Autos müssen viele Kriterien erfüllen, damit der Autofahrer sicher unterwegs ist. Von ihnen hängt nicht nur die Reichweite, sondern auch das Bremsverhalten und der Grip ab. Somit müssen sich Autofahrer darüber Gedanken machen, ob sie lieber breite Schlappen für möglichst viel Grip oder dünne Reifen für weniger Rollwiderstand kaufen und aufziehen lassen. Und gibt es überhaupt Unterschiede zwischen Reifen für konventionelle Verbrenner und E-Autos?

„Tendenziell fahren Elektroautos auf den gleichen Reifen wie Autos mit Verbrennungsmotor. Es gibt aber ein paar Unterschiede", sagt Professor Markus Lienkamp (Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der Technischen Universität München). Die Batteriehöhe führe dazu, dass das Fahrzeug insgesamt höher werde. „Damit das Auto wieder eine gute Proportion erhält, wachsen auch die Reifen. So verfügt der VW ID3 schon serienmäßig über 18-Zoll-Räder", so der Professor weiter.

Zudem sei das Verhältnis von Reifengröße und Fahrzeughöhe auch ein wichtiges Kriterium in puncto Design.

Denn das Verhältnis von Fahrzeughöhe und Reifengröße sei ein wichtiges Design-Kriterium. Es spielt auch beim Rollwiderstand eine wichtige Rolle. Dieser sinkt um etwa ein Prozent bei einer Reifenerhöhung von ebenfalls einem Prozent. VW setzt bei einem Golf mit Verbrennungsmotor in der Basis auf 16-Zoll-Räder.

E-Autos stärker auf geringe Abrollgeräusche fokussiert

In der Geräuschreduzierung liegt ein weiterer Unterschied: „Bei einem E-Auto maskiert kein Verbrennungsmotor die Rollgeräusche, sodass diese stärker auffallen. Spezielle Schäume in den Reifen reduzieren die Luftschwingungen und damit Geräusche", so die Erklärung von Professor Lienkamp.

So entstehen Reifen für Elektroautos

Die Entwicklung eines neuen Autoreifens dauert etwa zwei Jahre. Dabei ist es unerheblich, ob er für ein Auto mit Verbrenner oder E-Antrieb entwickelt wird. „Ein Reifen weiß ja nicht, wie das Auto angetrieben wird, daher gleichen sich die Reifen grundsätzlich", sagt Ingenieur Daniel Bäuning (Reifenentwicklung Continental). Die Details machten den Unterschied.

Aufgrund des höheren Fahrzeuggewichts durch die schwere Batterie müssten die Reifen von Stromern grundsätzlich mehr Gewicht tragen. Gleichzeitig sollen sie möglichst leise und effizient abrollen. Nicht zuletzt wegen der begrenzten Kapazität der Autobatterie sei ein geringer Rollwiderstand im Zusammenhang mit der Energieeffizienz besonders wichtig, um dadurch die Reichweite verlängern zu können. Für mehr Abriebfestigkeit sorge eine andere Gummimischung. Denn bei einem E-Auto stehe das volle Drehmoment bereits ab der ersten Umdrehung bereit.

„Grundsätzlich stehen uns bei der Entwicklung ähnliche Stellschrauben zur Verfügung wie bei der Entwicklung herkömmlicher Reifen", erklärt Daniel Bäuning. „Dazu zählen der Aufbau und die Konstruktion des Laufstreifens und der Seitenwände ebenso wie die Struktur und die Materialien des Reifenunterbaus." Die besondere Herausforderung liege im verbesserten Abrieb und Rollwiderstand. Parallel dazu dürfe es nicht zu Einbußen in anderen Bereichen wie beim Bremsen oder beim Verhalten im Regen geben.

Kein Verzicht auf Komfort!

Diesen Anspruch bestätigt auch der Vertriebsleiter für die Erstausrüstung bei Michelin, Michael Ewert. Außerdem müsse unbedingt der gewohnte Federungs- und Abrollkomfort erhalten bleiben. Deshalb wurden bei Michelin Reifen mit erhöhtem Lastindex entwickelt (gekennzeichnet durch HL XL).

Der äußerst widerstandsarme Michelin-Reifen e.Primacy zeigt, wie effektiv sich ein verbesserter Rollwiderstand auf die Reichweite auswirken kann. Mit diesen Reifen kann das E-Auto im Vergleich zu herkömmlichen Reifen die Reichweite um sieben Prozent erhöhen, da der Rollwiderstand 27 Prozent unter dem Michelin-Sommerreifen Primacy 4 liegt.

Beim Kauf eines Elektroautos am EU-Label orientieren

Reifenfachmann Ewert empfiehlt, beim Kauf neuer Reifen auf das EU-Reifen-Label insbesondere auf Effizienzklasse, Nasshaftung und Geräusch-Emissionen zu achten. „Die ersten beiden Kategorien sollten im A-Bereich liegen, sowie bei der Geräusch-Emission einen niedrigen Dezibel-Wert haben, markiert mit einer Welle, dann liegt der Reifen auf einem hohen Niveau", rät er.

Professor Lienkamp rät bei der Reifenwahl grundsätzlich zu renommierten Marken, deren Typen vom Autohersteller speziell für dieses Modell freigeben sind. „Denn diese wurden auf den Fahrzeugtyp hin optimiert und speziell abgestimmt." Ein Kleinstwagen für die City braucht andere Reifen als ein sportliches E-Auto. Wählen können Autofahrer in der Regel zwischen mehreren Marken und Typen.

Quelle: www.sueddeutsche.de (© dpa-infocom, dpa:210311-99-779785/4)





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