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Donnerstag, 13.12.2018
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Vier Millionen Fahrräder jährlich lassen Verkaufszahlen für Autos alt aussehen



Der Drahtesel hat es geschafft! Mittlerweile werden in Deutschland mehr Fahrräder als Autos verkauft. Und der Platz auf Deutschlands Straßen schrumpft – denn immer mehr Radfahrer sind auf diesen unterwegs. Aber welchen Stand hat der Radfahrer im alltäglichen Miteinander mit Fußgängern, Autos, Moped- und Motorradfahrern? Dass es auch Radfahrer nicht immer leicht haben, kann jeder unterschreiben, der in Frankfurt, Berlin oder Köln auf berühmt-berüchtigten Straßen mit großem Gefahrenpotential unterwegs ist.

Grundsätzlich ist die Zunahme der Radfahrer eine positive Entwicklung. Im Berliner Stadtviertel „Prenzlauer Berg“ sind mittlerweile 40 % aller Verkehrsteilnehmer Radfahrer. Die Folge: Radfahrer fordern den Umbau von Straßen, damit sie mehr Platz haben und sicher durch die Städte kommen. Die Stadtplaner viele Städte und Gemeinde stehen deshalb vor großen Herausforderungen.

Jeder fünfte Bundesbürger ist täglich mit dem Fahrrad unterwegs

Die Fahrradbranche ist aus dem Häuschen und freut sich über bahnbrechende Umsatzrekorde. Vier Millionen Fahrräder werden pro Jahr verkauft – mehr als Autos! Mittlerweile sind 70 Millionen Fahrräder in Deutschland unterwegs. Jeder Fünfte fährt heutzutage tagtäglich mit dem Rad – und das nicht nur in Studentenstädten, sondern auch in Großstädten wie München, Frankfurt und Köln. Immer mehr Geld wird in den Drahtesel und nicht mehr unbedingt ins Auto investiert.

Eine noch nicht veröffentlichte Studie des InnoZ (Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel) soll belegen, dass Berlin auf einem guten Weg ist, sich zur Hauptstadt der Fahrradfahrer zu entwickeln. Seit 2008 habe sich die Zahl der Radfahrer in der Bundeshauptstadt verdoppelt. Vor allem im Sommer legen die Berliner ein Fünftel ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück.

Dieser Wert hat für Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer eine große Bedeutung. Deshalb plant er, Berlin zum bundesweiten Vorbild auszubauen. Erst kürzlich legte er den „Nationale Radverkehrsplan 2020“vor, der zum Ziel hat, dass 2020 bundesweit jeder fünfte Weg mit dem Rad absolviert wird. Zurzeit liegt der Anteil der Radfahrer am Verkehr bei 13 Prozent – mit steigender Tendenz!

„Das Fahrrad ist in den Innenstädten auf dem Siegeszug“

So formulierte es der Mobilitätsforsher Andreas Knie vom InnoZ gegenüber der FAZ. Und er geht noch weiter: „Das Auto als Statussymbol hat in den Innenstädten ausgedient“. Doch es gibt im Hinblick auf die ehrgeizigen Ziele von Peter Ramsauer auch kritische Stimmen. Die Grünen prangern an, dass zusätzliche Ausgaben für neue Radwege vom Bund gekürzt worden seien. Hier gäbe es erheblichen Verbesserungsbedarf.

Andreas Knie hat sich mit ganz anderen Betrachtungsweisen beschäftigt. Er definiert die Fahrradfahrer in drei Gruppen.

1) Umsteiger

2) Städter

3) Hardcore-Radler

Die Umsteiger bilden eine neue, schnell wachsende Gruppe. Früher waren sie nur mit dem Auto unterwegs – jetzt nutzen sie das Rad hauptsächlich für kurze Strecken in die Stadt. Die Motivation dieser Gruppe ist laut Knie:

- Bewegung, sich fit halten und

- etwas für die Umwelt tun.

Rentner auf ihren E-Bikes gehören ebenfalls zu dieser Gruppe – wie auch Gutverdienende, die ihr Fahrrad mittlerweile als Lifestyleobjekt sehen.

In der zweiten Gruppe sind die Städter, die heute mehr und mehr das Fahrrad nutzen, früher mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren. Knie sagte: „Radler fühlen sich nicht mehr als Desperados“, sondern sie würden mehr und mehr Teil einer „sozialen Praxis“. Getreu dem Motto: ‚Alle machen es – also schließe ich mich an!‘

Die Hardcore-Radler waren schon immer ausschließlich mit ihrem Rad unterwegs, halten sich deshalb auch für diejenigen, die das Sagen im Verteilungskampf haben. Sie vertreten die Position: „Ich bin der gute Verkehrsteilnehmer, also habe ich Vorfahrt.“ Verkehrsminister Ramsauer sieht diese Gruppe eher als „Kampfradler“. Er hält sie größtenteils für Rowdys, die den Straßenkampf auch gerne einmal eskalieren lassen und jederzeit freie Fahrt für sich beanspruchen mit dem Ziel, auf schnellstem und unkompliziertem Wege durch die Stadt zu kommen.

Doch eines steht auch fest: Nicht nur Radfahrer werden zu Verkehrsrowdys, auch Autofahrer sind oftmals unachtsam oder fallen durch eine rücksichtslose Fahrweise auf. Der Raum auf den Straßen wird knapper – und er kann nur dann vernünftig auf alle Verkehrsteilnehmer verteilt werden, wenn auch alle aufeinander Rücksicht nehmen. Wussten Sie, dass 90 Prozent aller Radfahrer im Besitz eines Führerscheins sind? Und trotzdem sehen viele eine Verkehrssituation ganz anders, wenn sie mit dem Rad und nicht mit Auto unterwegs sind. Dabei sollten radfahrende Autofahrer doch beide Seiten kennen.

Mobilitätsforscher Andreas Knie erklärt das so: „Man ist von dem eigenen Verkehrsmittel stark vereinnahmt“. Der Fahrradfahrer sei in der Regel wendiger, könne sich durchmogeln, wenn Autofahrer warten müssen. Deshalb fühlen sich viele Radfahrer den Autofahrern moralisch überlegen.

Drei Viertel aller Radunfälle gechehen mit Beteiligung von Autos

Eine große Gefahr im Straßenverkehr stellt für Radfahrer die zunehmende Zahl an SUVs (Geländewagen) dar. Die erhöhte Sitzposition gibt Autofahrern mehr Sicherheit, erhöht aber gleichzeitig die Gefahr für den Radfahrer. Die hohe Fahrzeugfront nimmt Radfahrern die Sicht. Insgesamt liegt der Anteil von Fahrradunfällen mit Pkw-Beteiligung bei 75 Prozent. Und Achtung: Nur jeder vierte Unfall geht auf das Verschulden des Radfahrers zurück. Radfahrer sind im Straßenverkehr also nach wie vor stark gefährdet. Im ersten Halbjahr 2012 waren bei einem Drittel aller Unfälle Radfahrer betroffen. Die Ursachen: Radfahrer nutzen oftmals die falsche Spur, Autofahrer passen beim Abbiegen nicht.

Fahrradlobby fordert Radspuren auf der Fahrbahn – der ADAC mehr separate Radwege

Andreas Knie ist sicher, dass Fahrradfahrer zukünftig für sich mehr Platz auf den Straßen einfordern werden. Das spräche für mehr integrierte Radwege auf den Straßen. Die Folge: Autofahrer müssen ihre bisherige Vormachtstellung bald abgeben. Aus der Sicht von Roland Huhn, Rechtsreferent des ADFC sei diese Variante auch sicherer für die Radfahrer. Der Autofahrer komme von hinten, der Radfahrer werde vor allem beim Rechtsabbiegen besser gesehen. Huhn könne sich sogar eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Stundenkilometer in den Städten vorstellen.

Andreas Hölzel vom ADAC sieht das anders. Auch mit einer Reduzierung der Geschwindigkeit kann er sich nicht anfreunden: „Davon halten wir gar nichts“, lautet der Kommentar auf Huhns Vorschläge gegenüber der FAZ. Extra Radwege seinen in seinen Augen die bessere Lösung. In einem Punkt sind sich wohl alle einig: Mehr Rücksicht untereinander verhindert, dass sich der Verteiligungskampf schon bald verschärfen könnte.



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