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Donnerstag, 13.12.2018
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Drohende Fahrverbote: Alternativen für Dieselfahrer



Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass Fahrverbote für schmutzige Diesel zulässig sind. Könnte diese Entscheidung für Dieselfahrer demnächst bedeuten, dass sie sich nicht mehr ohne weiteres in Großstädten bewegen dürfen? Da stellt sich für viele die Frage nach Alternativen.

Es ist nicht nur das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, welches die Dieselfahrer in unruhiges Fahrwasser geraten lässt. Vom nunmehr amtlichen Fahrverbot in Großstädten sind nicht alle Dieselfahrer betroffen, vom Entzug der Steuerprivilegien für Dieselkraftstoff hingegen schon. Der wird zurzeit heftig diskutiert und sorgt für große Unsicherheit unter den Dieselfahrern.

So verwundert es nicht, dass sich Dieselfahrer bereits für Alternativen interessieren, die heute oder in naher Zukunft greifen. Professor Manfred Fischedick, Energie-, Klimaforscher und Vizepräsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie, sagt zum Thema Diesel-Umrüstungen: "Die Zukunftsperspektiven für den Diesel stehen nicht besonders gut, die Möglichkeiten zur Umrüstung sind begrenzt und schon gar nicht günstig." Aus seiner Sicht sei ohne einen immensen Kostenaufwand keine Umrüstung eines Diesel-KFZ auf ein Elektro- Wasserstoff- oder Erdgasfahrzeug möglich.

Thomas Korn, Geschäftsführer des bayerischen Start-Ups Keyou sieht dies anders. Keyou rüstet Fahrzeuge von Diesel auf Wasserstoff um. Aus seiner Sicht sprechen Kosten, Reichweite, Energiedichte, Ökobilanz und Alltagstauglichkeit für einen emissionsfreien Wasserstoffverbrenner. Warum sich Keyou derzeit auf Nutzfahrzeuge konzentriert, erläutert Korn wie folgt: "Aufgrund der zentralen Depotbetankung bei Flottenbetreibern und Verkehrsbetrieben sind wir hier nicht auf ein flächendeckendes Tankstellennetz angewiesen." Dieses fehlende Tankstellennetz ist auch das größte Problem des Wasserstoffverbrenners. Deshalb ist ihm eine Etablierung bisher nicht gelungen.

Die größten Vorteile der Wasserstoffverbrenner liegen im Vergleich zum Elektroauto einerseits in der deutlich größeren Reichweite (mehr als 500 Kilometer) und andererseits im deutlich kürzeren Tankvorgang, der nur wenige Minuten in Anspruch nimmt. Ein Problem liegt laut Fischedick in der niedrigen Anzahl von Wasserstofftankstellen. „Die Zahl der Wasserstoff-Tankstellen im bevölkerungsreichsten Bundesland, NRW, liegt aktuell bei fünf", sagt Fischedick. Dazu kommt noch der hohe Preis, den Autokäufer für ein solches Fahrzeug bezahlen müssen.

Der Wasserstoffverbrenner Toyota Mirai kostet das Doppelte und mehr als die bekannten E-Autos Kia Soul EV, Renault Zoe oder VW E-Golf. „Ein Massenmarkt ist das bisher noch nicht", sagt Fischedick, der aktuell vielmehr „eine zunehmende Dynamik im Bereich der klassischen Elektrofahrzeuge" wahrnimmt. Dadurch entstehen immer modernere Modelle im E-Fahrzeug Markt mit deutlich höherer Reichweite. Dadurch wird der entscheidende Vorteil von Wasserstofffahrzeugen ausgebremst.

Eine ganz andere Meinung hingegen hat Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik beim ADAC. Für ihn sind Erdgasfahrzeuge „extrem attraktiv“. Die Vorteile von Erdgas sieht Kolke im Verbrauch und den Abgasemissionen: „Es gibt eine lange Verfügbarkeit von Erdgas, und wir haben einen sehr sparsamen Verbrauch und extrem niedrige Abgasemissionen." Für Käufer mit Reichweitenangst rät Kolke zu Fahrzeugen wie den VW Passat 1.4 TSI Ecofuel. Dieser schafft dank eines zusätzlichen Benzintanks gut 800 Kilometer, 400 über Erdgas und 400 Kilometer über Benzin.

Eine andere Betrachtungsweise hat Kolke bei Flüssiggas (LPG). „LPG ist ein attraktiver Kraftstoff für Benzinmotoren, die teilweise auf LPG umgerüstet werden können", sagt Kolke. „Allerdings läuft dessen steuerliche Förderung Ende 2022 aus." Auch ein Dieselmotor könnte auf Gas umgerüstet werden, diese Umrüstung wäre aber wirtschaftlich und ökologisch nicht sinnvoll.

Egal für welche alternative Kraftstoffart sich ein Dieselfahrer entscheidet, ein Neufahrzeug als Ersatz für einen Diesel kostet viel Geld. Daher ist der Gedanke, ein Dieselauto auf Erdgas oder Pflanzenöl umzurüsten, durchaus plausibel. Hier noch eine wichtige Information für den Dieselfahrer: Die Hersteller-Garantie auf den Motor wird durch eine solche Umrüstung aufgehoben. Eine Umrüstung auf Erdgas kostet etwa 5.000 Euro. Und moderne Dieselfahrzeuge lassen sich im Vergleich zu alten Dieselautos kaum mit Pflanzenöl antreiben.

So sieht auch Holger Heinicke, Geschäftsführer der Firma HeiPro „derzeit keine Alternative mehr“. Das Unternehmen HeiPro hatte sich auf die Umrüstung von Diesel-Pkw spezialisiert. Heutzutage baut die Firma jedoch nur noch stationäre Maschinen wie Wasserpumpen oder Generatoren um. Seiner Ansicht nach ist die seit 2013 geltende Besteuerung des Pflanzenöl-Treibstoffs schuld daran, dass eine Umrüstung nicht mehr wirtschaftlich ist. (dpa)

Quelle: www.augsburger-allgemeine.de



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